Framework

Provolution

Anwendung der Probatio-Systemica-Methodik auf das Problem der globalen Klimatransformation.

Autoritativer Werte-Stand — alle Hebel-, Domänen- und CO₂-Zahlen auf dieser Seite folgen canon/STATUS.md (lebende Version vom 29. Mai 2026). Bei Versions-Konflikt mit anderen Repo-Stellen gilt STATUS.md + canon/data/co2_master.yaml. Stärkste Einwände gegen das Framework sind in canon/LIMITATIONS.md offen benannt und beantwortet.

Übersicht

Provolution ist die anwendungsorientierte Ebene eines wissenschaftlichen Frameworks zur Klimatransformation. Sie wendet die Probatio-Systemica-Methodik auf das konkrete Problem der globalen Treibhausgas-Reduktion an und bewertet einen Katalog von Hebeln über elf Domänen hinweg.

Provolution unterscheidet sich von rein technischen oder rein politischen Klima-Ansätzen dadurch, dass es jeden Hebel gleichzeitig an vier Achsen prüft — Sufficient (hinreichend), Efficient (ressourceneffizient), Consistent (widerspruchsfrei), Just (gerecht) — und Maßnahmen, die soziale Ungleichheit verstärken, automatisch ausschließt, selbst wenn sie in den anderen drei Achsen gut abschneiden.

Die elf Domänen (A–K)

Hebel sind in elf fachlich abgegrenzte Domänen gegliedert. Jede Domäne enthält zwischen einem und sieben Einzelhebel, mit eigenem CO₂-Potenzial.

ID Domäne Hebel Potenzial (Gt CO₂eq/Jahr)
A Governance & Steuerung 6 −8,2
B Produktion & Industrie 7 −14,6
C Energie & Infrastruktur 4 −12,3
D Ernährung & Landnutzung 5 −9,7
E Bildung & Bewusstsein 3 −1,8
F Technologie & Innovation 2 −2,1
G Monitoring & Kontrolle 3 −0,6
H Meta-Framework & Finanzierung 3 −0,5
I Mobilität 2 −1,3
J Konstruktion 1 −3,0
K Marine & Küste 4 −1,5

Anmerkung zur Summe: Die Summe der Domain-Werte ergibt −55,6 Gt. Die Differenz zum CO₂-Headline-Wert −58,6 Gt erklärt sich durch eine separate Schicht „Community-Integrationen" außerhalb der Domain-Zuordnung (aktuell ein Eintrag, −3,0 Gt). Vollständige Liste in canon/data/co2_master.yaml. Insgesamt umfasst der Kanon 49 Hebel, davon 38 mit Vollkonzept in Band 4.

SEC-J-Bewertung

Jeder Hebel wird über vier Achsen bewertet. Die Achsen sind nicht gegeneinander ersetzbar — jede misst eine eigenständige Eigenschaft, die für systemische Tragfähigkeit zwingend erforderlich ist.

SEC-J-Bewertung: Vier Achsen Sufficient, Efficient, Consistent, Just mit Veto-Mechanismus bei J unter 0,50
S Sufficient Hinreichend, um die definierte Wirkung zu erzielen. Ein Hebel mit S < 1 erreicht das angestrebte Ziel nicht.
E Efficient Minimiert Ressourcenverbrauch bei gegebener Wirkung. Von allen ausreichenden Maßnahmen ist die sparsamste zu wählen.
C Consistent Erzeugt keine systemischen Widersprüche. Hebel dürfen sich nicht gegenseitig aufheben oder kompensieren.
J Just Bewertet Verteilungs-Gerechtigkeit über einen normierten Gerechtigkeits-Score. J < 0,50 löst ein striktes Veto aus.

Die aktuelle kanonische Achsen-Gewichtung der SEC-J-Formel (PS-U 2.0 STANDARD): SEC-J = 0,30·S + 0,25·E + 0,30·C + 0,15·J. Konkrete Werte und Audit-Mode-Varianten in 06_framework_extensions_v2.0_SECJ.md. Aktueller Gesamtdurchschnitt SEC-J ≈ 0,90.

J-Veto

Die J-Achse lässt sich nicht durch hohe Werte anderer Achsen ausgleichen. Bei einer regressiven Verteilung (Gerechtigkeits-Score unter null) ergibt sich rechnerisch J < 0,50, und der Hebel wird unzulässig — unabhängig davon, wie hoch S, E oder C ausfallen. Im aktuellen Hebel-Katalog löst kein Hebel das J-Veto aus; vier Hebel (B09, B11, B12, C12) liegen mit J < 0,80 in der Warnschwellen-Zone mit dokumentierten Implementierungs-Auflagen.

Die Begründung ist nicht ethisch-normativ, sondern praktisch: Erfahrungsbefunde (Gelbwesten-Proteste in Frankreich 2018, der US-Kohleausstieg) zeigen, dass Klima-Bewertungs-Frameworks ohne Gerechtigkeits-Komponente politisch zu kippen drohen, sobald Legitimitäts-Druck entsteht. Das Veto-Prinzip folgt damit dem von Taleb (2012) beschriebenen Prinzip der Antifragilität — ausführlich in ANTIFRAGILITY_PRINCIPLE im CANON dokumentiert.

CO₂-Potenzial

Das Repository führt mehrere CO₂-Headline-Werte, weil sie unterschiedliche Metriken messen. Alle sind gescreente technisch-systemische Potenziale unter definierten Annahmen — keine Prognosen, keine sofort realisierbaren Jahres-Reduktionen.

−43,2 Gt CO₂eq/Jahr Realistischer Netto-Erwartungswert (Monte-Carlo-Median, Szenario B). 90-%-Konfidenz­intervall: −52,8 … −34,6 Gt.

Methodisch ausgerichtet am GHG Protocol Corporate Accounting Standard und am 6. Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC (Arbeitsgruppe III, Kapitel 2 und 3) — angewandt, nicht formal zertifiziert. Alle Emissionsfaktoren sind mit IPCC-Quellen und Konfidenz­intervallen hinterlegt. Die Methodik unterscheidet sauber zwischen direkten Emissionen (Scope 1), bezogener Energie (Scope 2) und vor- bzw. nachgelagerten Wertschöpfungs-Emissionen (Scope 3) und vermeidet Doppelzählungen.

Vollständiges Werte-Glossar mit Versions-Status (CURRENT / DEPRECATED / SUPERSEDED) in canon/STATUS.md §2.

Bewertung über sechs Wirkungs-Dimensionen

Über die reine CO₂-Bilanzierung hinaus bewertet jeder Hebel Wirkungen auf sechs zusätzliche Dimensionen. Damit lässt sich erkennen, ob eine Maßnahme zwar das Klima schützt, aber Nebenwirkungen in anderen Bereichen erzeugt — oder umgekehrt zusätzliche Begleitvorteile bringt.

Sechs gleichberechtigte Bewertungs-Dimensionen als Hexagon-Radar

Die ausführliche operationelle Beschreibung dieses Wirkungs-Frameworks liegt in README_MULTI_IMPACT.md im Repository.