Framework

Provolution

Anwendung der Probatio-Systemica-Methodik auf das Problem der globalen Klimatransformation.

Übersicht

Provolution ist die anwendungsorientierte Ebene eines wissenschaftlichen Frameworks zur Klimatransformation. Sie wendet die Probatio-Systemica-Methodik auf das konkrete Problem der globalen Treibhausgas-Reduktion an und bewertet einen Katalog konkreter Hebel über zehn Domänen hinweg.

Das aufsummierte Reduktionspotenzial übersteigt die heutigen globalen Treibhausgas-Emissionen und wird durch aktive Kohlenstoff-Bindung (Boden-Kohlenstoff, Biomasse, technische Senken) sogar netto-negativ — das Framework rechnet also nicht nur mit Emissions-Vermeidung, sondern mit aktivem Entzug.

Provolution unterscheidet sich von rein technischen oder rein politischen Klima-Ansätzen dadurch, dass es jeden Hebel gleichzeitig an vier Achsen prüft — Hinreichend, Ressourceneffizient, Widerspruchsfrei und Gerecht — und Maßnahmen, die soziale Ungleichheit verstärken, automatisch ausschließt, selbst wenn sie in den anderen drei Achsen gut abschneiden.

Die zehn Domänen (A–J)

Hebel sind in zehn fachlich abgegrenzte Domänen gegliedert. Jede Domäne enthält zwischen einem und sechs Einzelhebel, mit eigenem CO₂-Potenzial.

ID Domäne Hebel Potenzial (Gt CO₂eq/Jahr)
A Governance & Steuerung 6 −8,2
B Produktion & Industrie 6 −15,8
C Energie & Infrastruktur 4 −12,3
D Ernährung & Landnutzung 4 −9,4
E Bildung & Bewusstsein 4 −1,8
F Technologie & Innovation 5 −2,1
G Monitoring & Kontrolle 3 −0,6
H Übergeordnete Werkzeuge & Finanzierung 3 −0,5
I Mobilität & Kreislauf 2 −1,3
J Konstruktion (in Entwicklung) 1 −3,0

Hinweis: Die kanonische Verteilung pro Domäne summiert nicht alle Hebel auf — weitere Hebel werden über einen Aufnahme-Prozess aus eingereichten Vorschlägen integriert und in dieser Tabelle nicht separat ausgewiesen. Aktuelle Gesamtzahlen und ausführliche Hebel-Beschreibungen liegen im CANON (Band 4) und in canon/data/co2_master.yaml.

SEC-J-Bewertung

Jeder Hebel wird über vier Achsen bewertet. Die Achsen sind nicht gegeneinander ersetzbar — jede misst eine eigenständige Eigenschaft, die für systemische Tragfähigkeit zwingend erforderlich ist.

SEC-J-Evaluation: Vier Achsen Sufficient, Efficient, Consistent, Just mit Veto-Mechanismus bei J unter 0.50
S Sufficient Hinreichend, um die definierte Wirkung zu erzielen. Ein Hebel mit S < 1 erreicht das angestrebte Ziel nicht.
E Efficient Minimiert Ressourcenverbrauch bei gegebener Wirkung. Von allen ausreichenden Maßnahmen ist die sparsamste zu wählen.
C Consistent Erzeugt keine systemischen Widersprüche. Hebel dürfen sich nicht gegenseitig aufheben oder kompensieren.
J Just Bewertet Verteilungs-Gerechtigkeit über einen normierten Gerechtigkeits-Score. J < 0,50 löst ein striktes Veto aus.

Die Achsen-Gewichtung der SEC-J-Formel ist eine gewichtete Summe mit positiven Anteilen, die zu eins addiert werden; die konkreten Anteile stehen in canon/de/SECJ_SPEC_v1.0.md.

J-Veto

Die J-Achse lässt sich nicht durch hohe Werte anderer Achsen ausgleichen. Bei einer regressiven Verteilung (Gerechtigkeits-Score unter null) ergibt sich rechnerisch J < 0,50, und der Hebel wird unzulässig — unabhängig davon, wie hoch S, E oder C ausfallen.

Die Begründung ist nicht ethisch-normativ, sondern praktisch: Erfahrungsbefunde (Gelbwesten-Proteste in Frankreich 2018, der US-Kohleausstieg) zeigen, dass Klima-Bewertungs-Frameworks ohne Gerechtigkeits-Komponente politisch zu kippen drohen, sobald Legitimitäts-Druck entsteht. Das Veto-Prinzip folgt damit dem von Taleb (2012) beschriebenen Prinzip der Antifragilität — ausführlich in ANTIFRAGILITY_PRINCIPLE im CANON dokumentiert.

CO₂-Gesamtpotenzial

−58,0 Gt CO₂eq/Jahr Methodisch konform mit dem GHG Protocol (internationaler Standard für Treibhausgas-Bilanzierung) und dem 6. Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC (Arbeitsgruppe III, Kapitel 2 und 3).

Alle Emissionsfaktoren sind mit IPCC-Quellen und 95-%-Vertrauensintervallen hinterlegt. Die Methodik unterscheidet sauber zwischen direkten Emissionen (Scope 1), bezogener Energie (Scope 2) und vor- bzw. nachgelagerten Wertschöpfungs-Emissionen (Scope 3) und vermeidet Doppelzählungen. Die vollständige Dokumentation liegt in Wissenschaft & Downloads.

Bewertung über sechs Wirkungs-Dimensionen

Über die reine CO₂-Bilanzierung hinaus bewertet jeder Hebel Wirkungen auf sechs zusätzliche Dimensionen. Damit lässt sich erkennen, ob eine Maßnahme zwar das Klima schützt, aber Nebenwirkungen in anderen Bereichen erzeugt — oder umgekehrt zusätzliche Begleitvorteile bringt.

Sechs gleichberechtigte Bewertungs-Dimensionen als Hexagon-Radar

Die ausführliche operationelle Beschreibung dieses Wirkungs-Frameworks liegt in README_MULTI_IMPACT.md im Repository.